Lang ist es her, dass ich wieder mal etwas über Assassin’s Creed schreiben durfte. Zuletzt ging es hier um Syndicate, welches das Weihnachtsgeschäft 2015 ankurbelte. Diesmal beschreitet das Franchise wieder den 2.5-D-Weg und verlegt das Geschehen der Story von China nach Indien. Die Spielebude Climax Studios macht hier allerdings keine gute Figur in Sachen Story, Charaktere und Abwechslung.

Sicher, Assassin’s Creed Chronicles: India besitzt viel Potenzial und ist besonders für Fans von Spielen wie Mark of the Ninja interessant. Was am Ende durch den Filter rutscht, ist zwar einige Zeit spaßig, aber ebenso enttäuschend. Zwar sollte man davon absehen, Vergleiche zur Hauptreihe zu ziehen, besonders was die Grafik angeht, abgesehen von den Animationen des Hauptcharakters Arbaaz bin ich aber ziemlich underwhelmed von der optischen Präsentation. Gerade aus dem Thema „Indien“ hätte man einiges mehr machen können, wie man ja am eigenen FarCry 4 sieht. Anleihen sind durchaus vorhanden, aber wahrscheinlich hat sich Ubisoft einfach nicht getraut, noch mehr abzukupfern. Gepaart mit mittelmäßigem Voice-Acting (gesprochenes gibt es nur auf Englisch) und einem Soundtrack, der nicht sonderlich zur Stimmung beiträgt, bleibt ein fader Beigeschmack hängen. Dabei hätte man einfach nur man nur mal zu Klei Entertainment schielen müssen, denn das oben erwähnte Mark of the Ninja macht so vieles anders und gleichzeitig so vieles besser, dass man sich fragen muss, warum Ubisoft die Jungs und Mädels von Climax für die Reihe beauftragt hat.

Das Spiel selbst ist dabei aber recht gut. Verschiedene Arten des Spielens ermöglichen verschiedene Herangehensweisen innerhalb der Levels. Ob man jetzt lieber komplett durchschleicht, Bösewichte aus den Schatten erledigt oder wie ein Berserker das Schwert schwingt – Nach einem umfangreichen Tutorial hat man die Grundmechaniken erlernt und kann seine Missionen erfüllen. Dabei ist die Steuerung etwas gewöhnungsbedürftig, da man sich nicht in einer gefühlten zweidimensionalen, sondern 2.5-dimensionalen Welt bewegt. Das hat zur Folge, dass man beispielsweise eine Platform, am Rand stehend, nach rechts verlassen möchte, und entsprechend, wie man es gewohnt ist, den Stick nach unten drückt. Resultat im Spiel ist nicht das Verlassen der Plattform zur Seite, sondern ein Klettern der Hauptfigur an die vordere Kante. Dieser Umstand ist Schuld an einigen Toden und von mir gen Fernseher gerufenen Flüchen.

Dennoch gelingt es erneut, das gewohnte AssCreed-Gameplay auf eine andere Ebene zu verfrachten, die in Ansätzen der eines Prince of Persia nahekommt. Die erwähnten Animationsphasen des Spielercharakters gehen nahtlos ineinander über, die Kämpfe sind stets unfair (um den Spieler anzuspornen, verdeckt zu agieren) und das Schleichen ist unglaublich spannend. Hört mich der Gegner? Hat er mich gesehen? Toll.

Das Abenteuer in Indien findet einige Jahrhunderte nach den Geschehnissen in China statt. Die Story klingt schrecklich vertraut: Templer und Assassinen sind auf der Suche nach einem mysteriösen Artefakt, dem Khoor-I-Noor-Diamanten. Wem das bekannt vorkommt, der ist mit dieser Meinung nicht alleine. Die beiden rivalisierenden Gruppen verfolgen nämlich viel zu häufig das gleiche Ziel – Als kreativ kann man das Writing nicht gerade bezeichnen. Schade, denn auch ein „kleineres“ Release verdient etwas Liebe. Ob das nun Story, Charaktere oder Voice-Acting sind.

Zusammendfassend ist Assassin’s Creed Chronicles: India ein perfektes Beispiel für das leidige „Hätte, hätte, Mopedkette„. Viele kleine Highlights, die immer wieder ins Auge fallen, in der mittelmäßigen Gesamtpräsentation allerdings etwas verlorengehen. Faktoren wie die stullendumme KI, die fragwürdigen Steuerungsfehlinterpretationen und die unterirdische Audiopräsentation ziehen den gesamten Titel weiter runter, als ich mir gewünscht hätte. Nicht falsch verstehen: India ist ein tolles Spiel, ein oder zwei Runden mehr auf dem Qualitätskarussell hätten dem Titel aber durchaus gut getan. Climax muss sich nun etwas anstrengen, um nicht auch den dritten Teil, der in Russland spielen und noch dieses Jahr rauskommen soll, „in den Sand“ zu setzen. Hohes Potenzial, das leider verspielt wurde.

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.