Bei Ubisoft habe ich ja glücklicherweise eher selten was zu meckern. Ab und an kommt halt ein mittelmäßiges Assassin’s Creed raus, aber sonst bin ich schon relativ zufrieden mit dem, was die Franzosen hier abliefern. The Crew fand ich damals, beim Release im Dezember letzten Jahres, ganz okay. Lediglich die viel zu große Welt mit unzähligen Challenges und der Fakt, dass der Spieler jedes Rennen gewinnen muss, um in der „Story“ vorwärts zu kommen, waren mir ein Dorn im Auge. Ich war trotzdem total tapfer, habe es durchgespielt und nicht bereut.

Jetzt legen die Ubis nach und verpassen dem Rennspiel eine Download-Packung. Besser gesagt: Ubisoft spendiert eine kostenlose und eine kostenpflichtige Erweiterung zum Hauptspiel. Die Datenmengen (immerhin 6.5 Gigabyte), die Spieler sich gratis auf die heimische PS4 schaufeln können werten vor allem die Grafik von The Crew auf. Das ist vielleicht nicht so auffällig und wird nicht jedem auf den ersten Blick erkennbar sein, aber spätestens, wenn die ersten Regentropfen im Spiel fallen, wird das deutlich. Zudem wurde der Grauschleier, der über der gesamten Szenerie lag, gelüftet, so dass Farben nun wesentlich besser zur Geltung kommen. Ich kann mir vorstellen, dass in diesem Gratis-Update jede Menge Arbeit steckt. Jedoch ist das ein Jahr nach Launch etwas spät. In der kurzlebigen Welt der Spiele, die eigentlich darauf ausgelegt sind, online gespielt zu werden, ist selbst ein Monat schon eine lange Zeit, wenn es darum geht, die Spielerschaft bei Laune zu halten. Und dafür hat Ubisoft leider nicht besonders viel gemacht. Die spärlichen Paid-DLCs waren da wahrscheinlich nicht sonderlich ausschlaggebend.

Der 30-Euro-Content „Wild Run“, der das Spiel wie eine Expansion ordentlich aufwertet, möchte nun wieder Rennfahrer zurück ins eigene Lager holen. Mit dem jüngsten Release von Need for Speed wird dies allerdings schwierig, auch wenn die Erweiterung Unmengen an neuem Content verspricht. Und selbst mit Grafik-Update sieht NFS einfach um Längen besser aus, was heutzutage ein nicht zu unterschätzendes Ausschlagkriterium zum Kauf ist.

Grundsätzlich fügt Wild Run dem Hauptspiel neue Rennklassen hinzu: Dragster, Monster-Trucks, Drift-Setups und Motorräder. Ich persönlich finde Motorradfahren, ob ich Rennspielen oder in Open-World-Krachern wie Just Cause 3 oder GTA V, immer etwas befremdlich. Ein vollkommen verkorkste Fahrphysik, die überhaupt keinen Spaß macht, kombiniert mit einem (gefühlt) erhöhten Unfallrisiko – Pfui. Die Dragster sind fast unspielbar, die Drifter sind das Letzte und die Monster-Trucks brauchen ewig, um in die Puschen zu kommen. Davon abgesehen passen die neuen Klassen aber hervorragend in das implementierte virtuelle Event, um das es sich im DLC dreht.

Mitten in der Wüste findet ein Festival statt, der sogenannte „Summit“. Erinnert mich etwas zu stark an Forza Horizon, aber gut. Hier können sich alle Besitzer des DLCs weltweit in unterschiedlichen Disziplinen messen. Allerdings kommt nicht jeder in diesen Wettbewerb rein, die Teilnahme muss man sich erst mal verdienen. Unter anderem geschieht dies durch die neuen Freeride-Challenges, auf die wir jederzeit im Spiel Zugriff haben. Das macht so mittelviel Spaß, denn Challenges finde ich doof. Mit Zeitdruck in Videospielen komme ich in den seltensten Fällen klar. Zwar hapert es weiß Gott nicht an spielerischen Fähigkeiten, vielmehr steigt mein Blutdruck ins Unendliche und ich drohe, zu platzen. Und das will niemand. Hoffentlich. Sind dann endlich genügend Herausforderungen abgeschlossen, darf man an einem Qualifizierungsturnier teilnehmen. Ist man hier gut genug und belegt einen entsprechenden Rang, wird man am Ende des Monats eingeladen, an einem Final-Showcase teilzunehmen, bei dem man dann Fahrzeuge und andere schöne Sachen gewinnen kann.

Da ist anfangs etwas verwirrend und schreckt mich auch ab, besonders der Umstand, weltweit mit Spielern konkurrieren zu müssen, um den vollen Umfang des DLCs genießen zu können, finde ich schwierig. Wie viele Rennfahrer tummeln sich denn in einem, zwei oder drei Jahren noch im Spiel? Finden die Events dann überhaupt noch statt, oder ist zu diesem Zeitpunkt der Ubisoft-Server schon längst eingemottet worden? Aber solange es noch alles funktioniert und die Listen noch gut bevölkert sind, trete ich aufs Gaspedal und fetze über die Straßen Amerikas.

Die neuen Setups, die man wie gewohnt in Werkstätten an Autos pflanzen kann, sind eher so mittel und zudem schweineteuer. Guter Rat: Kauft euch das Addon erst, wenn ihr das Hauptspiel durch habt, sonst sind die Taschen noch leer und es gibt noch mehr zu tun, was man wahrscheinlich ohnehin nicht schafft. Die Drag-Rennen funktionieren leider nur gut auf einer geraden Strecke, denn sobald man – auch nur marginal – das Lenkrad einschlagen muss, ist Schicht im Dragschacht. Die Karre dreht sich, landet irgendwo im Gebüsch und an ein zeitlich optimales Ergebnis ist nicht mehr zu denken. Wenigstens das Minigame zum Start des Rennens ist witzig.

Das Driften wirkt, als würde man es auf einem Handy spielen und die Entwickler hätten es deswegen absichtlich übertrieben gestaltet. Der Spieler kann kaum die Relationen seiner Geschwindigkeit einschätzen und der Wagen schlittert über die Straßen, als wären sie eisbedeckt. Das ist ein erheblicher Unterschied zu dem, was sonst in diesem Sektor gängig ist, auch in direktem Blick zu Need For Speed.

Die Monster-Trucks kommen zwar etwas lahm in die Gänge und ein genaues Steuern während der Fahrt ist so gut wie unmöglich, aber wenigstens machen hier die Challenges Spaß. Denn der Spieler darf hier eine Strecke befahren, die gepflastert ist mit Rampen und Loopings, und muss hier durch Sprünge, Tricks und das Einsammeln von Punktemünzen, einen möglichst hohen Highscore erzielen.

Zusammengefasst lohnt sich das Upgrade für Spieler, die The Crew nach dem Durchspielen bereits wieder im Spieleregal verstaut haben, wohl eher weniger. Freunde von kompetitiven Herausforderungen und Online-Rennen können sich das Teil ruhigen Gewissens auf die Platte hauen. Wer überlegt, neu in die Welt von The Crew einzutauchen, der kann zur Boxed-Version greifen und bekommt das Gesamtpaket für einen wesentlich besseren Preis als die Einzelteile.

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Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.