Lange musste ich darüber nachdenken, was ich vom neuesten Videospiel aus dem Hatsune Miku-Universum halten soll. Bisher hatte ich nämlich keinerlei Berührungspunkte mit diesem Teil der fernöstlichen Populärkultur und habe mich entsprechend etwas schwer damit getan, überhaupt zu verstehen, was hier los ist. Denn auf den ersten Blick ist Hatsune Miku: Project DIVA Future Tone nämlich nur quietschbunt und unheimlich verwirrend.

Um zu verstehen, was das Besondere an Segas jüngstem Musikspiel ist, ist es wichtig zu verstehen, wer Hatsune Miku ist. Das türkishaarige Animemädchen, das hier fröhlich über den Bildschirm hüpft und Popsongs trällert ist nämlich ein Popstar, der eigentlich gar nicht existiert. Ihr Aussehen stammt vom japanischen Mangakünstler KEI (Kei Garou) und ihre Stimme aus einem Computerprogramm namens Vocaloid. Hierdurch ist es möglich, quasi den perfekten Star zu erschaffen, der immer perfekt die Töne trifft. Insgesamt sechs Stimmvariationen für verschiedene Songarten besitzt Hatsune Miku, von flüsternd-seufzend über lebhaft bis angespannt ist hier die komplette Bandbreite vertreten. Somit können alle möglichen Arten von Songs direkt aus dem Computer generiert werden.

Hatsune Miku, deren Name aus den japanischen Worten Hatsu (, dt. „Erster“), Ne (, dt. „Klang“) und Miku (未来, dt. „Zukunft“, also „Erster Klang aus der Zukunft“) bedeutet, hat in Japan und China einen derart hohen Stand, dass sie sogar als Werbefigur für Firmen (z.B. Google) herhält. Sie tourt sogar durch die Welt und gibt Konzerte in ausverkauften Hallen.

Die größte Besonderheit an Hatsune Miku ist allerdings, dass ihr Vocaloid-Stimmpaket frei verkäuflich ist und quasi jeder unter ihrem Namen Musik machen kann und darf. Einige ihrer Hits stammen aus der Community und manchmal werden Fans auf Konzerten sogar damit überrascht, dass plötzlich ihr Lied gespielt wird. Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass der virtuelle Popstar so viele Songs als Kerbe im Bettpfosten hat. Hatsune Miku: Project DIVA Future Tone kommt mit zwei dicken Songpaketen, die jeweils über 100 Songs enthalten. Wer beide Pakete, also Colorful Tone (niedliche Upbeat-Songs) und Future Sound (Rock- und Dance-Songs) kauft, bekommt also 216 Lieder, muss dafür aber auch um die 50 Euro berappen. Jedes der 216 Lieder kann in fünf verschiedenen Schwierigkeitsstufen gespielt werden und kommt mit einem eigenen Musikvideo daher.

Doch wie spielt man das Ding überhaupt? Im Grundsatz unterscheidet sich Hatsune Miku: Project DIVA Future Tone nur marginal von seinen Vorgängern. Im Takt der Musik kommen Noten ins Bild geflogen, die von Nutzer mit der entsprechenden Controllertaste zur richtigen Zeit quittiert werden müssen. Anders als bei Guitar Hero oder Rocksmith allerdings, kommen die Noten aus allen Richtungen angeflogen, was besonders in höheren Schwierigkeitsstufen bei der Masse an Elementen auf dem Bildschirm anfangs recht verwirrend sein kann. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern bringt die jüngste Installation der Hatsune Miku-Reihe nun auch Slides und Multi-Button-Holds mit sich, was das Arcade-Feeling noch etwas unterstreicht, das Ding noch einen Tacken schwieriger macht und die Klassiker auf ein neues Level hievt. Wer noch nie mit der Reihe zu tun hatte, wird alleine beim Anblick des Spiels leicht überfordert sein.

Wer sich allerdings ein Mal durch das umfangreiche Tutorial gekloppt hat, weiß relativ schnell, wie der Hase läuft und kann sich in die Untiefen der Songkollektion werfen. Und wer ein Mal damit angefangen hat, kann bestimmt so schnell nicht wieder aufhören. Ich bin sicher, dass da auch der ein oder andere Ohrwurm hängen bleibt, den viele der Songs sind einfach unglaublich catchy. Der Preis ist hier zwar relativ hoch, dafür bekommt man eine Menge Content geboten und damit viele, viele Stunden Spielspaß. Und wer erstmal reinschnuppern möchte, muss sich ja nicht direkt alle 216 Songs kaufen.

Prädikat: Arattzattza ya ribiraririn raba rittan rindam denrandu!

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Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.