Ich möchte mein Review zum neuen Open-World-Kracher von Avalanche und Square Enix mit einem Zitat aus einer meiner liebsten Videospielreihen beginnen, das so ziemlich alles über Just Cause 3 sagt, was es zu sagen gibt:

Ich habe nur eine Frage: EXPLOSIONEN?!

So – oder so ähnlich (meine Erinnerung ist an dieser Stelle etwas getrübt) – begrüßt Mr. Torgue den Spieler zu „seinem“ DLC in Borderlands 2. Just Cause 3 folgt dem Credo seiner Vorgänger und stellt diese Frage gar nicht erst, sondern antwortet entsprechend mit viel „Bumm“ und „Krach„.

Im Mittelpunkt des Spiels steht wieder einmal Rico, der in seine Heimat, die Inselgruppe Medici, zurückkehrt, um dort einen bösen Diktator vom Herrscherthron zu stürzen. Da dieser aber einige hundert – nein – tausend Schergen sein Eigen nennt, die mit Maschinengewehren, Panzern und Kampfhubschraubern ausgerüstet sind, ist die Rebellion allerdings leichter geplant, als tatsächlich ausgeführt. Zum Glück ist Rico aber ein Meister aller Klassen, so dass schon bald eine gegnerische Befestigung nach der anderen fallen wird.

Da ich mich vor dem Spielen bereits ausführlich über den Open-World-Titel informiert habe, stellte ich vor dem ersten Start meine PlayStation 4 auf englische Sprache um, da völlig unverständlicherweise sowohl Moritz Bleibtreu, als auch mein persönlicher Freund Gronkh, Figuren im Spiel ihre Stimmen leihen. Was für manche wohl ein Kaufgrund ist, ist für mich der bisher erste Auslöser, meine Konsole umzustellen. Das war bisher nicht nötig und macht mich etwas traurig. Über zwei Jahre kam ich mit der „Deutsch“-Einstellung über die Runden, und dann kommt ein völlig unfähiger Bleibtreu (subjektive Einschätzung) und spricht den Protagonisten. Natürlich kommt meine Meinung hier nicht aus dem Nichts, denn einen deutscher Start musste ich dem Spiel zugestehen. Totaler Murks.

Aber ansonsten macht das Teil echt Spaß und bringt gegenüber dem Vorgänger einige Neuerungen mit sich. So bekommt Rico einen Gleitschirm verpasst, der, zusätzlich zum Fallschirm, als alternatives Fortbewegungsmittel genutzt werden kann. Das Zusammenspiel zwischen Gleitschirm, Fallschirm und dem neuen Enterhaken funktioniert perfekt und ist außerordentlich gut durchdacht. So kann auch ohne fahrbaren Untersatz mit ein bisschen Übung das gewünschte Ziel erreicht werden.

Der neue Enterhaken zieht die Hauptfigur wie gewohnt durch Botanik und feindliche Basen, hat aber ein kleines Extra verbaut. So kann Rico zwei Punkte miteinander verbinden und das Seil dann spannen. So können Bösewichte weggeschleudert, Autos Berghänge hochgezogen oder Statuen des Diktators zerstört werden. Ein sehr witziges Tool, das mehr als ein Mal für fieses Gelächter im Wohnzimmer sorgte.

Meine Exfreundin bezeichnete den zweiten Teil der Reihe gerne und oft als „absoluten Oberscheiß„. Ob das jetzt ein Trennungsgrund war, möchte ich an dieser Stelle unbeantwortet lassen, aber grundsätzlich kann man das als positive Aussage über die Qualität der Reihe nehmen. Die absolute, völlig übertriebene Freiheit, die sich nicht immer so genau an die Gesetze der Physik hält, kombiniert mit Explosionen, Panzern, dummen Sprüchen und einer Lücke da, wo eigentlich die Moral ihren Platz hat.

Natürlich ist trotz aller sinnlosen Gewalt nicht alles eitel Sonnenschein, denn auch Just Cause 3 kämpft mit einigen Problemen. Zum einen geht die Framerate der PS4-Version ordentlich in die Knie, sobald mehr als zwei oder drei Explosionen gleichzeitig – und das kommt häufig vor – auf dem Bildschirm abgebildet werden. Zudem sind die Ladezeiten lächerlich lang. Man sollte meinen, dass lediglich eine Initialladezeit und der obligatorische Loading-Screen bei Schnellreiseaktionen das Spielvergnügen trüben. Zwar geschieht die Fortbewegung in der offenen Welt vollkommen nahtlos, aber beim Tod des Charakters scheint das gesamte Spiel erneut in den Speicher geladen werden zu müssen, so dass man beim Ableben gerne mal aufs Klo gehen, sich einen Kaffee kochen, diesen trinken sowie ein Kind zeugen und gebären kann, bevor es weitergeht. Schrecklich. Zwar wurde hier nachgepatcht, wirklich schnell geht das Laden aber immer noch nicht. Da muss Avalanche wohl noch einige male in die Code-Kiste greifen und (hoffentlich schnell) nachlegen.

Wer über diese Mankos hinweg sehen und gegebenenfalls noch zwei, drei weitere Patches abwarten kann, bekommt viel Spiel für wenig Hirn. Ernsthaft: Das Oberstübchen kann hier getrost in den Standby-Modus gefahren werden, ähnlich wie bei einem Blockbuster-Actionstreifen. Solange der Finger locker am Abzug sitzt, kann eigentlich nichts schiefgehen.

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.