Mit leichter Verspätung rücke ich am Donnerstag in Schlotheim an. Nach einer kurzen Odyssee vom Presse-Check-In zum Zeltplatz baue ich meine windschiefe Behausung zu den Klängen von God Macabre auf, die leider auch schon ihren letzten Song anspielen während ich mich endlich auf’s Gelände begebe. Nach dem ersten Versorgungsstopp am Köstrizer-Stand kann das Party.San 2014 dann auch für arrcade beginnen!

Skeletonwitch1Skeletonwitch sind der erste Act, dem ich Auge in Auge gegenüberstehe. Das Abrisskommando aus Ohio spielt schon seit einigen Jahren im Thrashzirkus mit und bietet eine energetische Show, die auch bei großer Hitze noch viele zum bangen und Fäuste recken animieren kann. Sänger Chance Garnette und seine Meute lassen nichts anbrennen und können mittlerweile aus einem reichhaltigen Fundus an Krachern schöpfen. Besonders gefeiert werden die Tracks vom aktuellen Output Serpents Unleashed (dessen grandioses Baizley-Artwork auch das Backdrop ziert) sowie die Stücke des Durchbruchsalbums Beyond The Permafrost.

Gegen die geballte Macht der Hexe kommen Atlantean Kodex kurz darauf nur bedingt an. Das Doom/Trve-Gebräu der Mannen um Szene-Original Manuel Trummer kommt für meinen Geschmack nämlich etwas zu zähflüssig rüber. Die Mainstage bei Tageslicht ist vielleicht nicht der optimalste Ort für diese Art von Musik, einen Tag später im Zelt wäre die Viererkette aus Bayern besser aufgehoben gewesen.

Grave3Um so erfreuter bin ich ob der Tatsache, dass mit Grave eine der stilprägenden Bands des frühen Elchtods folgt. Die Schwedenwalze pumpt ihre Songs unbarmherzig ins Publikum und liefert eine bodenständige Show mit der nötigen Dosis Posing, wofür vor allem Bassist Tobias Christiansson sorgt. Charismatischer Mittelpunkt ist natürlich Ola Lindgren, der den mächtigen Riffattacken mit seinen urtümlichen Deathgrunts die Krone aufsetzt.

Von einem Schweden-Act gehts direkt weiter zum nächsten, diesmal entert jedoch eine der kontorversesten Kapellen des Festivals die Bühne: Entombed A.D.. Einem Staatsstreich gleich ist einer meiner persönlichen Helden, Gitarrist Alex Hellid, vor kurzem an die frische Luft gesetzt worden und somit stellt Sänger LG Petrov das einzige verbliebene Original-Mitglied dar. Das kann ich natürlich nicht gut heißen und wohne dem Schauspiel ganz trve mit verschränkten Armen und bösem Blick bei. Auch ein weiteres Bier kann den Karren für mich nicht mehr aus dem Dreck ziehen und ich werde nicht müde, über den hohen Platz im Billing alleine vor mich hin zu motzen!

Solstafir2Auch bei der nächsten Band bleibt es nordisch: Sólstafir aus Island, die in den letzten Jahren einen enormen Popularitätsschub erfahren haben. Für mich ist es dieses Jahr bereits die dritte Festivalshow der auch abseits der Bühne sympathischen Post (Black)Metaller. Frauenschwarm Aðalbjörn tritt heute ganz im Turbonegro-Stil mit Offiziersmütze vor die Menge, allgemein wirkt die Band mit ihren Outfits jedoch eher, als sei sie direkt einem Steampunk-Game entsprungen. Die ausgedehnten Song-Collagen (anders kann man es nicht mehr umschreiben) werden von reichlich rotem Licht sowie einer atmosphärischen Pyro-Show in Szene gesetzt. Da die Veröffentlichung des brandneuen Albums Ótta kurz bevor steht, findet sogar noch eine Vinylversion ihren Weg in die vorderen Reihen.

Watain8Und auch der Headliner des ersten Abends stammt aus dem hohen Norden: Es sind die schwedischen Black Metal-Schwergewichte Watain, die allerdings mit einem miesen Bühnensound zu kämpfen haben. Sänger Erik (in Fachkreisen auch als E. bekannt) rennt und springt von einem Monitor zum nächsten und an manchen Stellen merkt man leider, dass die Band nicht ganz tight spielt. Doch der Show an sich tut dies keinen Abbruch, die Bühnendeko bietet mit jeder Menge aufgespannter Haut, Knochen und lodernden Flammen das perfekte Ambiente für ein Live-Ritual der Extraklasse. Klar, dass auch des Deibel’s Blut persönlich aus dem Kelch verspritzt wird! Die Security wurde dafür übrigens extra mit magentafarbenen Regencapes ausgestattet… Holocaust Dawn vom in der Szene höchst umstrittenen letzten Album beendet dann gegen 1:20 Uhr den satanischen Reigen, dem leider keine Zugabe mehr folgt.

Nach einem kurzen Abstecher ins Partyzelt lasse ich den Donnerstag mit einem Bierchen und Bolt Thrower aus dem Autoradio ausklingen.

Held des Tages: Skeletonwitch-Saitenhexer Scott Hedrick, der sich vom Totalausfall seines Blackstar-Topteils nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Lesen Sie hier: Party.San Episode II: Angriff des Ebbelwoi sowie demnächst Episode III: Die Rache des Mille Petrozza!

Auch interessant

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.