Etwas über zwei Jahre ist es her, dass Tom Clancy verstarb. Der Schriftsteller schrieb seinen Namen nicht nur unter etwa 100 Millionen verkaufte Exemplare seiner Bücher, sondern auch unter allerhand PC- und Videospiele: Ghost Recon, The Division, Splinter Cell, H.A.W.X., EndWar und Rainbow Six, von dem Ubisoft nun einen frischen Ableger ins Rennen rund ums Weihnachtsgeschäft schickt. Rainbow Six: Siege ist dabei allerdings etwas anders als die bisherigen Co-Op-Shooter der Reihe.

Ähnlich wie beim beliebten E-Sport-Klassiker Counter-Strike kämpfen in Siege zwei Parteien gegeneinander: Angreifer gegen Verteidiger. Das ist etwas politisch korrekter formuliert als das einschlägige „Terroristen vs Counter-Terroristen“-Spiel, grundsätzlich aber ändert das im Spiel nichts. Die Verteidiger sitzen auf Bomben, Geiseln oder Giftgas-Containern und müssen diese gegen die Eindringlinge, die allesamt bunt aus internationalen Sonderkommandos bestehen, beschützen. Wird die Bombe entschärft, die Geisel befreit oder alle Mitglieder eines Teams getötet, endet die Runde. Meist ist hier letzteres der Fall, da die Bösewichte die Bomben bewachen wie ein Drache seinen Schatz.

Klingt alles ganz einfach, ist es aber nicht. Denn wer, verwöhnt von gängiger Shooterkost, gewohnt ist, wild ballernd in einen Raum zu stürmen und schon irgendwas treffen zu können, wird sich bei Siege schnell wundern. Denn hier stehen taktisches Vorgehen und vor allem Teamplay an erster Stelle. Alleingänger, die wirklich etwas reißen, gibt es zwar immer wieder, sind aber, wenn man zumindest noch mit einem Bein in der echten Welt steht, eine Ausnahmeerscheinung.

Das Operator-System von Siege ist zu Anfang nicht so leicht zu verstehen. Denn nur, wer ausreichend Matches hinter sich gebracht hat, um entsprechend viel Ruf zu verdienen, kann in einer etwas versteckten Option, bestimmte Operators – also so etwas wie Klassen – erwerben. Diese variieren je nach dem, für welche Spezialeinheit und welche Rolle (also Angreifer oder Verteidiger) man den Operator kauft. So gibt es Klassen, die Elektronik durch Wände sehen, Bomben legen oder einen mächtigen Schild ausfahren können. Jedem Playstyle wird Siege hier gerecht, wobei manche Klassen bei vielen Spielern beliebter sind, als andere. So sehe ich häufig den vollgepanzerten Recken frontal in den Kampf stürzen oder den typischen Spieler, der gerne Durchgänge vermint.

Grundsätzlich war es das aber auch schon. Die anderen Modi, insbesondere die Einzelspielermissionen, sind kaum erwähnenswert. Letztlich läuft man hier durch die Multiplayerkarten und ballert böse Buben über den Haufen. Dabei sammelt man zwar ordentlich Ingame-Währung für die Operators, Spaß macht das aber nicht wirklich. Die Kartenrotation der Mehrspielergefechte ist überschaubar, dafür sind die Karten ziemlich groß und ermöglichen den Einsatzkräften eine Vielzahl von Einstiegspunkten, die aber bei der unoriginellen Zufallsverteilung der Bombenpunkte oft überflüssig sind.

Ich hatte meinen Spaß mit dem Spiel, leider aber nicht besonders lange. Dafür sind die Spielmodi und der Verlauf der Runden zu eintönig. Wer allerdings Freunde hat, mit denen er sich in den Kampf stürzen kann, der wird hier seine helle Freude haben. Gut koordinierte Angriffe sind in Rainbow Six: Siege der Schlüssel zum Erfolg, den man mit vollkommen Fremden oft nur zufällig erlangt. Die Idee des kompetitiven Multiplayers vs. Singleplayer-Kampagne ist durchdacht, nur nicht für jede Art von Spieler gedacht – Darüber sollte man sich beim Kauf im Klaren sein. Übrigens wurden in der ersten Woche nach Release schon ungefähr 745.000 Retail-Exemplare verkauft, die meisten davon für die PlayStation 4.

Die kurze Zeit, die ich mit Rainbow Six: Siege verbracht habe, hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Würde ich öfter online spielen, wäre dies wohl das momentane Spiel meiner Wahl, auch wenn ich nicht sonderlich gut bin. Wobei mir einfällt, dass ich bald mal ein vernünftiges Headset für die PS4 brauche. Momentan verwende ich eine Lösung aus Turtle-Beach-Stereo-Headset und Hama-Controlleradapter, was aber nicht wirklich zu funktionieren scheint, wobei ich nicht weiß, welche der Komponenten hier nicht mitspielt. Egal. Wenn ihr genug vom ewig gleichen CS-Geballer habt, kauft euch Siege.

 

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.