SPOILERFREIE FILMKRITIK!

Nach meinem etwas albernen Videobeitrag muss ich natürlich noch ein anständiges Review nachlegen, das würde der Sache sonst wirklich gerecht. Denn ich war im Kino und habe Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht gesehen und – um die Spannung aus der Kritik zu nehmen – ich liebe den Film!

Seit knapp 32 Jahren warten die Star-Wars-Fans aus aller Welt auf einen neuen guten Star-Wars-Film, denn das, was George Lucas uns hier als Prequels verkauft hat, war gelinde gesagt Murks. Eine inkonsistente Handlung, die wie aus ihrem eigenen Universum herausgerissen schien, flache Charaktere und Widersprüche an jeder Ecke waren nicht das, was die Vorlage der Originaltrilogie gewollt hätte.

Nach dem spektakulären Verkauf von Lucasfilm an Disney ist es nun endlich soweit, dass der erste Spielfilm, bei dem George Lucas nicht seine Finger mit im Spiel hatte, in die Lichtspielhäuser der Welt kommt. Bereits im Vorfeld hat eine mehr als umfangreiche Marketingkampagne stattgefunden, die praktisch keinen Weg vorbei an der Sternensaga erlaubte. Auf der anderen Seite verteilte Disney die eigentlichen Infos zum Film derart spärlich, dass es kein Wunder ist, dass die wenigen Filmausschnitte einen breitgefächerten Interpretationsspielraum hinsichtlich der Story und den Charakteren von Episode VII ermöglichte. So wurde ich das ein oder andere Mal unglaublich überrascht, was offensichtlich Sinn und Zweck der Aktion war.

JJ Abrams, den ich schon seit vielen Jahren als einen der großartigsten Regisseure feiere, liefert hier einen Film ab, der als „würdig“ bezeichnet werden kann und muss. Offenbar blendet Abrams Episode I – III komplett aus und konzentriert sich darauf, das Pacing und das Storytelling der alten Schule von Episode IV – VI aufzugreifen. Lucas selbst versuchte ja einst, die Story in den Prequels zu spiegeln, was bekanntermaßen nur bedingt gelang. Abrams scheint im Reboot – zumindest teilweise – die gleiche Taktik zu fahren. Immer wieder begegnen mir Szenen, Situationen (und natürlich Zitate), die mir unglaublich bekannt vorkommen, aber in einen neuen Kontext gerückt werden, um zeitgemäßer und frischer zu wirken. Leider wirken manche Szenen, gerade zum Ende hin, etwas überhastet, was auf der anderen Seite aber – trotz der 136 Minuten Laufzeit – keine Langeweile aufkommen lässt.

Die Hauptfigur von Episode VII ist Rey (Daisy Ridley). Sie lebt auf Jakku, einem Wüstenplaneten, der wohl einmal Schauplatz eines Krieges gewesen war. Überall liegen zerstörte AT-ATs und riesige Sternenzerstörer im Sand. Rey kämpft täglich ums Überleben und verkauft Schrott, um über die Runden zu kommen. Ihre Vorgeschichte wird in diesem Film noch nicht näher erläutert, ich hoffe aber sehr, dass Reys einsames Warten auf Jakku irgendwann beleuchtet wird. Schließlich wird sie uns (hoffentlich) noch zwei Filme lang begleiten.

Durch Zufall findet Rey den kugelförmigen Roboter BB8 in der Wüste, der vom Piloten des Widerstandes Poe Dameron (Oscar Isaac) den Auftrag bekommen hat, eine Karte in Sicherheit zu bringen, mit der man – festhalten! – Luke Skywalker (Mark Hamill) findet. Die Sache ist nämlich die: Die Jedi sind längst in Vergessenheit geraten. Mittlerweile ranken sich viele Mythen und Märchen um die einst mächtigen Krieger. Luke Skywalker, der letzte Jedi, wurde seit vielen Jahren nicht gesehen, obwohl er (mal wieder) der einzige zu sein scheint, der die Galaxis retten kann. Die First Order, also quasi das neue Imperium, hat eine neue Superwaffe, die den Todesstern vor Neid erblassen lassen würde, wäre er nicht längst in Milliarden von Einzelteilen zerborsten. Kylo Ren (Adam Driver), der Bösewicht in der Geschichte, teilt letztlich das gleiche Schicksal wie Darth Vader. Obschon er unglaublich stark und mächtig ist, ist er nicht der Anführer der First Order, sondern ist – wie Vader – nur ein Instrument des Bösen.

Interessant ist, dass JJ Abrams die ganze Klon-Idee, die Lucas mit Episode I einführte, über den Haufen wirft und die Strumtruppler als durch wissenschaftliche Methoden gefügig gemachte Menschen, die als Kleinkinder ihren Eltern entrissen wurden, darstellt. Fynn (John Boyega) ist ein solcher Sturmtruppler, der bereits bei seinem ersten Einsatz desertiert und sich irgendwann Rey anschließt, um BB8 mitsamt der Karte zum Widerstand zu bringen. Auf dem Weg begegnen die beiden Han Solo (Harrison Ford) und Chewbacca, die – und das hat mich ebenfalls überrascht – ab hier unglaublich viel Screentime bekommen. Han Solo avanciert sogar schnell zu einem Hauptcharakter, im Gegensatz zur Gimmick-Rolle, die ich erwartet hätte. Die hat dafür Leia (Carrie Fisher) bekommen, die vielleicht 50 Sekunden auf dem Bildschirm zu sehen ist.

Warum solch ein Film noch nicht eher rausgekommen ist, weiß ich nicht. Aber es ist unglaublich schade, dass George Lucas so lange Schindluder mit seinem Vermächtnis getrieben hat. In den letzten Jahren kam ja kaum etwas auf dem Markt, das auch nur annähernd die Maßstäbe erfüllt hätte, die Lucas in den späten Siebzigern an sich selbst und seine Arbeit hatte. Damit ist jetzt Schluss, denn Das Erwachen der Macht fügt sich nahtlos in die Reihe ein und bietet ein wundervolles Erlebnis voller Überraschungen, Wendungen, Fanboy-Momenten, toller Musik, tollen Effekten, vielen Explosionen, und Star Wars, bis der Doktor-Droide kommt.

Eine zeitgemäße Adaption der Story mit viel Witz, die im Kino sogar stellenweise Applaus erntete, was ja in Deutschland eine absolute Seltenheit ist. Echte Fanboys müssen darauf gefasst sein, unbemerkt ein oder zwei Tränchen wegzuwischen.

Prädikat: Besonders Awesome!

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.